Zillertal braucht einen echten Bettenstopp

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Bürgermeister sind gefordert, Planungsverbände tirolweit stärken

In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der Gästebetten im Zillertal mehr als verdoppelt. Seit 2010 diskutiert das Tal über einen Bettenstopp. Bei 50.000 sollte ein Schlussstrich gezogen werden. Wir liegen bei 51.658. Den Bettenstopp haben der Planungsverband Zillertal und damit die Zillertaler Gemeinden festgelegt. Und dennoch entstehen immer wieder neue Hotels wie zuletzt in Uderns und Fügen. „Wir glauben, dass es aus wirtschaftlicher, verkehrspolitischer und auch raumordnerischer Sicht, keine neuen Betten auf der grünen Wiese im Zillertal braucht und alles getan werden muss, um einen echten Bettenstopp zu gewährleisten“, sagt die Parteichefin der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider bei einer Pressekonferenz im Zillertal. „Haushalten mit dem was da ist. Qualität vor Quantität.“

Das Zillertal kommt im Winter auf eine Auslastung der bestehenden Betten von 42 bis 45 Prozent, im Sommer sind es gerade einmal 25 bis 30 Prozent. „Ein Bettenstopp müsste daher auch im Interesse der heimischen Betriebe sein.“ Dazu kommt, dass der Tourismus immer mit der unvergleichbaren Tiroler Gastfreundschaft wirbt. „Im Zillertal wird diese Gastfreundschaft aber zu 70 Prozent von ausländischen Arbeitskräften serviert.“ 8 bis 10.000 ArbeitnehmerInnen arbeiten in der Zillertaler Hotellerie und Gastronomie, 2.500 bis 3.000 davon sind ÖsterreicherInnen. Bei einem Anteil von ausländischen Arbeitskräften von 70 Prozent sind auch immer mehr Personalhäuser nötig, um die MitarbeiterInnen unterzubringen. Auch das verknappt Wohnraum und frisst Grünfläche.

Rund 38.000 Menschen wohnen im Zillertal. Im Jahr kommen 1,7 Millionen Gäste zum Urlauben an. Die sorgen für 7,7 Millionen Übernachtungen, vier Millionen entfallen auf den Winter. Noch eine schöne Zahl. Die Liftkapazität ist enorm gestiegen und liegt bei 325.000 Personen pro Stunde.

Planungsverbände stärken

Alle diese Zahlen sind bekannt und im Strategieplan Zillertal enthalten. Das Zillertal würde heute wohl anders aussehen, noch mehr verbaut, wenn es den Planungsverband Zillertal nicht gäbe. Gemeinsam hat man verhindert, dass sich Großbetriebe ansiedeln. Allerdings gibt es noch Schlupflöcher und Bürgermeister, die ihren Kirchturm im Auge haben, nicht aber den der Region. „Die Grenze für touristische Betriebe liegt bei 150 Betten und da sind eben einige Unternehmer findig und bauen dann eben 140 oder 149 Betten. Da braucht es eben besonders mutige Bürgermeister, und/oder einen gestärkten Planungsverband“, sagt Roswitha Schmida, Bezirkssprecherin der Liste Fritz.

Wenn der Planungsverband auf weite Strecken funktioniert, liegt der Ball bei den Bürgermeistern. „Es ist nicht so, dass den Bürgermeistern bei bestehenden Widmungen die Hände gebunden sind. Die Bürgermeister könnten via Bebauungsplan Projekte eindämmen“, erklärt Schmida. Weniger Dichte, weniger Stockwerke – da hat die Gemeinde sehr wohl einen Spielraum. Derzeit ist es so, dass der Planungsverband nur bei Neuwidmungen ein Veto einlegen kann. Wenn in Uderns ein riesiges Aparthotel gebaut werden kann, dann liegt das daran, dass sich Bauwerber Schultz bereits beim Bau des Golfplatzes eine Widmung gesichert hat. 

Raumordnungskonzept auf Planungsverbandsebene

„Der Planungsverband Zillertal ist einer der wenigen unter den 37 Verbänden, der funktioniert und trotzdem fehlt ihm der letzte Biss“, kritisiert Andrea Haselwanter-Schneider. „Wir sind dafür, den Planungsverbänden endlich mehr Durchsetzungskraft zu geben. Wer den Bettenstopp ernst meint, braucht entweder eine starke überregionale Raumordnung im Land oder, wenn man es lieber im Tal regelt, einen starken Planungsverband.“ Der müsste im Zweifelsfall die einzelnen Gemeinden ´overrulen` können. Der Planungsverband Zillertal ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für andere Planungsverbände. Aber selbst im Zillertal könnte der Planungsverband noch stärker werden.

O-Töne Parteiobfrau Andrea Haselwanter-Schneider:

O-Töne Bezirkssprecherin Roswitha Schmida:

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