Landesregierung darf bei Missständen in Notschlafstelle nicht länger wegschauen
Im Auftrag des Landes betreibt die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) die Notschlafstelle (NOST) in Innsbruck. Seit längerem herrschen dort untragbare Zustände. In den Jahren 2025/2026 sind bis zu 100 Übergriffe dokumentiert. Aufgrund von körperlichen Angriffen mit Verletzungen, Anspucken, Morddrohungen und Beleidigungen herrscht Gefahr in Verzug. „Wenn Mitarbeiter laufend verletzt, mit Bierflaschen beworfen und bedroht werden, dann braucht es Sicherheitspersonal und echte Gewaltprävention. Sicherheit ist Verpflichtung, kein nice-to-have!“, stellt Liste Fritz-Klubobmann Markus Sint klar. In der Kritik steht vor allem TSD-Geschäftsführer und NOST-Bereichsleiter Florian Stolz. Spätestens seit August 2025 ist Stolz über die Vorkommnisse schriftlich informiert. „Die Mitarbeiter:Innen haben ihn auf die eskalierende Gewalt hingewiesen und konkrete Schutzmaßnahmen gefordert. Erst aufgrund öffentlichen Drucks kündigt Stolz jetzt Maßnahmen zur Verbesserung an. Das ist zu wenig und viel zu spät“, so Sint, der auch die Landesregierung in die Pflicht nimmt. „Sie ist für die TSD verantwortlich, weil sie zu 100 Prozent dem Land Tirol gehört. Mattle und Wohlgemuth tragen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, Klienten und Steuerzahlern“, kritisiert Sint die Untätigkeit der Landesregierung.
Trotz Leistungsvereinbarung mit dem Land Tirol: TSD setzt zu wenig Personal ein
Beim Personal ortet die Liste Fritz massive Widersprüche zwischen Leistungsvereinbarung und Realität. Das Land Tirol bezahlt der TSD 2024 und 2025 jeweils 2,3 Millionen Euro pro Jahr. Laut Leistungsvereinbarung sind für die NOST unter anderem bis zu drei qualifizierte Beratungskräfte pro Tag vorgesehen, tatsächlich gibt es nur eine einzige Stelle. Es arbeiten auch weniger Stütz- und Reinigungskräfte als vereinbart. Die vorgesehen Pflegfachkraft mit 20 Wochenstunden gibt es überhaupt nicht. „Die dauernden Unterbesetzung befeuert die Missstände weiter. Gleichzeitig kündigt TSD-Geschäftsführer Stolz Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen“, so Sint.
Hygieneproblem dramatisch: Liste Fritz fordert sofortiges Maßnahmenpaket
Seit langem gibt es in der NOST eine Bettwanzenplage. Trotzdem wird die Schädlingsbekämpfung ungeschulten Mitarbeitern mit Ozongeräten und Spray überlassen. „Das ist unverantwortlich. In einer Einrichtung des Landes dürfen Mitarbeiter und Klienten nicht Ungeziefer ausgesetzt sein. Der angekündigte Neubau der NOST ist eine Vertröstung, weil er erst 2027 startet. Es besteht akuter Handlungsbedarf, weshalb wir mit einem Dringlichkeitsantrag und einer umfassenden Landtagsanfrage Druck machen“, berichtet Sint, der sofort ein Sicherheitskonzept samt täglich anwesender, fixer Security, ausreichend Personal und eine Ersatzlösung für menschenwürdige Notschlafstellen-Plätze einfordert.


