Finanzkontrollausschuss tagt am 7. Mai mit weiteren Auskunftspersonen. Auch LH Mattle geladen
In der Amtszeit des früheren ÖVP-Bürgermeisters Andreas Köll wurde in der Marktgemeinde Matrei in Osttirol ein gewaltiger Schuldenberg aufgetürmt. 2013 belief sich dieser auf 43 Millionen Euro, 2022 waren es immer noch massive 37 Millionen Euro. „Diese katastrophalen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Trotzdem hat sich Alt-Bürgermeister Andreas Köll gestern im Finanzkontrollausschuss völlig uneinsichtig und unbelehrbar präsentiert. Ganz nach dem ÖVP-Motto ‚Alles richtig gemacht‘ war von Selbstkritik oder Verantwortungsübernahme keine Spur“, bilanziert Liste Fritz-Klubobmann Markus Sint.
Der amtierende Bürgermeister Raimund Steiner hat die prekäre Finanzlage der Marktgemeinde bei seinem Amtsantritt 2022 und die seither notwendigen Aufräumarbeiten eindrücklich geschildert. Zwar sei die Gemeinde derzeit finanziell knapp aufgestellt, im Notfall werde Landeshauptmann Mattle mit weiteren Geldern einspringen. „Umso unfassbarer ist es, dass die Gemeinde Matrei dem Schultz-Konzern für seinen Hotelbau 50 Prozent der Erschließungskosten erlässt beziehungsweise fördern wird. Das sind rund eine Million Euro, auf die die Gemeinde verzichtet. Wie Bürgermeister Steiner bestätigt, geht diese Begünstigung auf einen Vertrag aus der Köll-Ära zurück. Konkret aus dem Jahr 1995. Das ist untragbar. Einerseits braucht die Gemeinde jeden einzelnen Euro und die Steuerzahler mussten bereits mit 6,6 Millionen Euro einspringen. Andererseits verzichtet die klamme Gemeinde auf eine Million Euro zugunsten des finanzstarken Konzerns. Dass die Tiroler Landesregierung einen solchen Deal und nach dieser Vorgeschichte einfach absegnet und durchwinkt, ist eine politische Sünde“, stellt Sint klar.
Wie sehr die ÖVP-Spitze rund um Platter, Tratter und Mattle den ÖVP-Bürgermeister Köll über Jahre gewähren ließen, wurde im Ausschuss gestern mehr als augenscheinlich. Obwohl die damalige Bezirkshauptfrau Olga Reisner eine Prüfung nach der anderen durchgeführt, Missstände aufgezeigt und Darlehen versagt hat, blieb ein Einschreiten seitens der politischen Verantwortungsträger aus. „Alt-ÖVP-Landesrat Tratter hat bestätigt, dass er nie eingegriffen und keine Weisung erteilt hat. Auch zur Auflösung des Gemeinderates konnte er sich nicht durchringen. So blieben die Schuldenmacherei und der Größenwahn in Matrei jahrelang folgenlos. Genau das ist das System ÖVP. Die Eigenen schützen. Auf Kosten und zum Schaden der Bürger in Matrei und der Tiroler Steuerzahler“, hält Markus Sint abschließend fest.
ORF Tirol heute, 13.03.2026
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