Fundierte Pensionsreform ja, aber 45 Jahre sind genug

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Liste Fritz sieht Reformbedarf, auch um den Jungen eine Perspektive zu geben

ÖVP-Landeshauptmann Anton Mattle fordert nach seinem Pensionsvorstoß nun eine öffentliche Anhörung. Für Liste-Fritz-Parteichefin Andrea Haselwanter-Schneider ist das ein bekanntes Muster: „Jeden Sommer kündigt Mattle eine große Reform an, überrascht damit sogar die eigene ÖVP – und danach passiert wenig. Im Vorjahr war es die ‚Reform der Krankenkassenreform‘, heuer ist es die Pension.“ Eine ehrliche Debatte ist nötig, darf aber nicht auf dem Rücken der Beschäftigten geführt werden. „Es ist verantwortungslos, Beschäftigte zu verunsichern, jene mit Lehre gegen jene mit Studium gegeneinander auszuspielen. Unser Grundsatz bleibt: 45 Jahre sind genug. Wer 45 Jahre gearbeitet und eingezahlt hat, hat seinen Beitrag geleistet.“

Mattles Modell gehe an der Realität vorbei: „Fast die Hälfte der Langzeitbeschäftigungslosen in Tirol ist über 50. Wer in diesem Alter seine Arbeit verliert, findet oft nur schwer wieder einen Job. Arbeiten bis 65 oder länger lässt sich nicht per Zuruf verordnen, solange der Arbeitsmarkt ältere Menschen aussortiert.“ Zur Reform gehört auch die Pensionshöhe. Tirol ist hier doppelt betroffen. Die Pensionen in Tirol liegen unter dem Österreichschnitt. Zudem kommt die große Lücke zwischen Männern und Frauen. Die ist auch auf die letzte Pensionsreform zurückzuführen, meint Haselwanter-Schneider. Die schwarz-blaue Pensionsreform 2003 stellte die Berechnung schrittweise von den besten 15 Jahren auf das gesamte Erwerbsleben um. „Damit haben ÖVP und FPÖ besonders Frauen hart getroffen. Frauen mit Teilzeit, Betreuungspflichten und Erwerbsunterbrechungen können von ihrer Pension allein nicht leben.“

Wir verschließen uns einer Debatte oder einer öffentlichen Anhörung nicht, wenn sie ernsthaft geführt werden. „Unsere Eckpunkte für eine gerechte und zukunftsfähige Pensionsreform sind klar: 45 Arbeitsjahre sind genug. Gleichzeitig braucht es wirksame Anreizsysteme für Arbeitgeber, damit ältere Beschäftigte länger im Arbeitsprozess bleiben können und nicht schon ab 50 aussortiert werden. Wir müssen außerdem endlich über die höchst ungleiche Verteilung der Pensionshöhen sprechen. Gerade in Tirol liegen die durchschnittlichen ASVG-Pensionen unter dem österreichweiten Schnitt. Eine Reform darf sich daher nicht nur um das Antrittsalter drehen, sondern muss auch ein gutes Leben im Alter ermöglichen. Und sie muss den jungen Menschen eine verlässliche Perspektive geben: Sie müssen darauf vertrauen können, dass ihre Beiträge auch morgen noch eine faire und sichere Pension garantieren“, sagt Parteichefin Haselwanter-Schneider.

„Eine Reform ist dringend nötig, damit endlich auch die Jungen eine verlässliche Perspektive haben. Aber sie muss sozial gerecht, arbeitsmarkttauglich und gut durchgerechnet sein – statt eines weiteren Sommerloch-Vorstoßes, dem keine Taten folgen.“

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